Blutzuckermessung ohne Blut

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 hatten bis vor wenigen Jahren als einzige Möglichkeit zur Bestimmung ihres Blutzuckers Blutzucker-Messgeräte zur Verfügung. Hierbei erfordert jede Messung einen Teststreifen, der in das Messgerät eingeführt wird und dann mit einem winzigen Tropfen Blut benetzt werden muss der durch einen Stich in die Fingerkuppe gewonnen wird. Diese Prozedur muss oft mehrmals am Tag erfolgen, mindestens jedoch vor jeder Mahlzeit und vor dem Schlafen. Leidet der Patient unter Blutzuckerschwankungen, können es auch 10 Messungen am Tag werden um eine regelmäßige Versorgung mit Insulin und einen stabilen Blutzucker zu gewährleisten.

Da ein gleichbleibender Blutzuckerspiegel im neutralen Bereich wichtig für Diabetiker ist, um  Unterzuckerungen oder Langzeitschäden durch zu hohe Blutzuckerwerte zu vermeiden, wird unter Umständen notwendig, häufig Blut aus den Fingerkuppen zu entnehmen. Diese Blutentnahme wird von den meisten Diabetikern als die unangenehmste Begleiterscheinung der Diabetestherapie empfunden.

Ein erster Lösungsansatz zur Vermeidung des häufigen Stechens zur Blutentnahme wurde vor einigen Jahren zur Marktreife gebracht. Hierbei handelte es sich um einen kontinuierlich messenden Glukosesensor, welcher - ebenfalls nicht schmerzfrei - mittels einer Kanüle in das Unterhautgewebe eingebracht wird, über einen Zeitraum von 2-3 Tagen dort verbleibt  und dort aus der so genannten Interstitial- oder Gewebeflüssigkeit kontinuierlich Blutzuckerwerte ermitteln kann. Diese können per Funk an ein Display oder direkt an eine Insulinpumpe übertragen werden und ermöglichen auf Grund der höheren Dichte der Messungen zum einen eine wesentlich bessere Überwachung der Blutzuckerwerte, zum anderen können Trends ermittelt werden in welche der Blutzucker tendiert und so zum Beispiel drohende Unterzuckerungen bereits im Vorfeld vermieden werden. Herkömmliche Blutzucker-Messgeräte bieten diesen Vorzug nicht. Leider scheitert eine breitere Einführung am Markt derzeit noch an den hohen Preisen für diese Technik, so dass Diabetiker entweder nur kurzzeitig, beispielsweise für ein 3-Tage-Monitoring, in den Genuss dieser Sensoren und Geräte kommen, oder auf private Finanzierung angewiesen sind.

Weitere Revolutionen auf diesem Gebiet könnten indes das lästige Pieksen vollends überflüssig machen: das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme hat ein Verfahren entwickelt, das ermöglicht, die Blutzuckerwerte über eine andere Quelle zu ermitteln: die Augenflüssigkeit. Hierbei würde die für den Patienten schmerzvolle Blutentnahme oder das Einführen eines Sensors komplett wegfallen, da die Messungen über einen bioelektrischen Sensor erfolgen, welcher ähnlich einer Kontaktlinse einfach auf das Auge aufgesetzt wird. Die Blutglukosewerte werden direkt im Chip in lesbare Daten gewandelt und per Funk an ein Lesegerät gesendet, welches die oben genannten Anzeigemöglichkeiten zur kontinuierlichen Überwachung bietet. Da die Messmethode aber noch perfektioniert werden muss, ist mit der Markteinführung dieser innovativen Technik nach Aussage von Tom Zimmermann, Geschäftsfeldleiter am Fraunhofer IMS leider erst in ca. drei Jahren zu rechnen.